Globuli für Kinder: So wirken die Kügelchen auch wirklich!

Vor ein paar Monaten habe ich mir eine homöopathische Reiseapotheke für Kinder mit vielen Globuli gekauft. Dazu ein kleines Büchlein mit allen möglichen Kinderkrankheiten und ich war hochmotiviert, dass ich damit jegliche „Zipperlein“ von Theo quasi im Keim ersticken kann. Nur: So wirklich klappt das leider nicht – ich habe das Gefühl, dass die Globuli überhaupt nicht helfen.

Als ich vor ein paar Wochen auf einer Veranstaltung einen riesigen, schweren Banner auf mein Handgelenk bekam (es wehte so ein heftiger Wind, dass es das Teil umfegte), lernte ich Marga kennen. Marga heißt eigentlich Margaretha Wellensiek, ist 39 Jahre alt und alleinerziehende Mama von Mats (5 Jahre alt).

Sie ist Heilpraktikerin, Physiotherapeuthin und Personal Trainerin – eine richtige Powerfrau, die, als mein Handgelenk innerhalb kürzester Zeit immer dicker wurde, sofort an meiner Seite war. Zufällig! Aber genau solche Zufälle finde ich toll im Leben. So lernt man sich kennen :-) Marga fackelte nicht lange und gab mir gleich zwei Kügelchen. Im Laufe des Nachmittags wiederholte ich die Einnahme und das Handgelenk wurde deuuuutlich besser. Ich war wirklich verblüfft – denn sonst wirken Globuli ja BEI MIR nicht so. Darum quetsche ich sie hier und jetzt ein bisschen aus….  :-)

Hallo Marga, was hast du mir da denn gegeben als ich mir das Handgelenk geprellt habe?

Hallo Jenny, das war ein Klassiker, den sicherlich auch viele Eltern kennen: Arnica. Ein Mittel was man gerade mit Kleinkindern immer dabei haben sollte. Es wirkt bei Prellungen, Stürzen, blauen Flecken, Blutungen, Schwellungen.

Deine Hand war ja sehr schnell und sehr heftig geschwollen nach der Prellung, und man konnte zusehen wie es abschwoll nach der Gabe von Arnica C 200. Neben der Mittelwahl ist auch die Potenz das Entscheidende gewesen, dass es so gut besser wurde.

Theo hat ständig irgendeine Kleinigkeit. Wie kann ich ihm denn gegen die typischen Kinderkrankheiten mit Globuli helfen?

In der klassichen Homoöpathie unterscheiden wir zwischen akuten und chronischen Krankheiten.

Akute Erkrankungen wie eben “mal hingefallen” , “mal ein Wespenstich” oder “ mal einen Infekt” können auch akut mit der Hausapotheke behandelt werden. Eltern die gut eingearbeitet sind in ihre Apotheke kriegen das gut hin, sollten aber auch ihren Heilpraktiker/Arzt zur Unterstützung haben. Auch wenn Globuli keine Nebenwirkungen haben wie schulmedizinische Mittel, so sind es dennoch Medikamente, die richtig eingesetzt werden müssen.

Und gerade wenn das Kind verrotzt ist, Fieber hat, nichts isst, wenig trinkt und hustet wie ein Esel…..in den Momenten bin sogar ich als Homöopathin einfach nur BESORGTE MAMA und rufe lieber mal meine Ärztin an und frage um Hilfe.

Chronische Geschichten, also wie “immer wieder die Bronchitis” oder “ständig die Mittelohrentzündung” müssen vom Heilpraktiker oder Arzt behandelt werden. Dafür brauche ich auf jeden Fall die genaue Anamnese- das Gespräch-  um den kleinen Menschen in seiner Gesamtheit verstehen und behandeln zu können. Bei der Länge der Anamnese erkennst du auch gleich die Qualität der Behandlung. Eine gute homöopathische Anamnese kann nicht in 5 Minuten stattfinden!  Ich plane für das Erstgespräch bei Erwachsenen 2 Sunden, bei Kindern 1,5 Stunden ein.

Dabei ist es nun die Kunst des Heilpraktikers oder Arztes das Besondere und Auffällige herauszufinden. Für Schnupfen gibt es ca. 300 Mittel. Das eine Kind hat aber einen Fließschnupfen, das andere die verstopfte Nase und das dritte ist ständig am Niesen.

Ist dir schon mal aufgefallen wie unterschiedlich Husten sein kann: bellend, röchelnd, trocken, rasselnd…

Es geht uns bei der klassischen Homöopathie um die individuellen Symptome, von daher ist es immer etwas schwierig eine kurze Zusammenfassung von Mitteln für Kinderkrankheiten zu geben, aber hier eine Liste von wichtigen Mittel:

Kinder Akutmittel

von HP Margaretha Wellensiek

Selbstverständlich gibt es noch viele andere Mittel, dieses ist eine kleine Auflistung von typischen Kinder-Akut-Erkrankungen.

Potenz C 30 oder C 200

Arnika: Stoß, Trauma, Blauer Fleck, Blutergruß, Schwellung, Verreißen, Muskelzerrung

Aconitum: Beschwerden durch Schock, Schreck, kalten Wind, Verkühlen, sehr plötzliche Symptome, bellender Husten der sehr plötzlich kommt oder durch Verkühlen

Arsenicum: Durchfall durch falsches Essen, Erbrechen sofort nach Nahrungsaufnahme, Durst, viele kleine Schlucke

Apis: Bienenstich, Wespenstich, Schwellung ist rot, warm/heiß und möchte gekühlt werden

Belladonna: heftige Beschwerden Rötung, Fieber, Heiß, Anfangsstadium von Entzündungen z.B. heftige Halsschmerzen mit Rötung, Ohrenentzündung, va rechts

Chamomilla: Zahnungsbeschwerden, lautes Weinen, alles was mit Zahnung zusammenhängt  z.B. Durchfall durch Zahnung

Cantharis: Blasenentzündung va mit starkem Brennen, lindert starken Schmerz nach Hautverbrennung (nach Belladonna)

Drosera: trockender, bellender Husten nachts

Ferrum phosphoricum: Anfang einer Erkältung, wenn noch keine Sympotme vorhanden, also allgemeines Unwohl- und Schlappheitsgefühl und Gefühl krank zu werden

Kalium bichromicum: dicker zäher Schleim, Bronchien, schlimmer durch Flachliegen und Luftzug

Kalium carbonicum: dicker zäher Schleim, Nasennebenhöhlenentzündung, schlimmer durch Kälte

Kalium sulfuricum: Bronchien rasseln, pfeiffen, besser im Freien, Schnarchen

Ledum: Insektenstich, Zeckenbiss, wenn Apis nicht hilft, Verletzung die geschwollen und kalt ist

Nux vomica: häufiges Niesen, naselaufen, durch Verkühlen, Koliken, Magenschmerzen besser durch Wärme, schlimmer durch Wut, Blasenentzündung besser durch Wärme, gereizt, wütend, Beschwerden nach Haare schneiden

Phosphorus: Erbrechen nach gewisser Zeit nach Nahrungsaufnahme- „wenn im Magen warm geworden“, Durst große Schlucke

Pulsatilla: Drüsenschwellung, kein Durst, quängelig, Husten nachts trocken und  tags locker, besser im Freien!!

Spongia: trockener Husten tagsüber und nachts

Marga, Du nimmst diese deutlich höheren Potenzen also auch bei Kindern. Wirkt das dadurch intensiver? Bekomme ich die auch in der normalen Apotheke?

Wie ich schon erwähnte, ist auch die Potenz entscheidend. Klassische Homöopathie (Begründer war Samuel Hahnemann) fängt mit C-Potenzen an. Mit D-Potenzen arbeiten wir nicht, das machen aber viele Ärzte und auch Apotheken, und dann wundert man sich warum die Kügelchen nicht richtig helfen. Oder die Komplexmittel. Das sind Medikamente in denen mehrere Mittel in D Potenzen zusammengepackt wurden, in der Hoffnung, es wird schon eins dabei sein, das hilft- natürlich kann das helfen, aber es hat nichts mit dem Gedanken der Klassischen Homöopathie zu tun.

Ein Beispiel: Der Sohn meiner Freundin hatte ganz schlimm Durchfall. Also schon so schlimm, dass es grenzwertig wurde. Die Ursache seiner Beschwerde war: ZAHNUNG!

Der Kinderarzt hat das sehr gut erkannt und ihm Chamomilla gegeben, in einer D Potenz. Das Mittel ist bei Zahnungsbeschwerden super, aber die Potenz hat für die Heftigkeit nicht ausgereicht. Je höher die Potenz um so tiefer geht es.

Da es dem Sohn nur sehr wenig besser ging nach der D Potenz, rief mich meine Freundin an und fragte was sie noch machen soll. Ich habe ihr Chamomilla in einer C 200 empfohlen und der Durchfall war nach 2 Gaben komplett weg.

Man bekommt die Mittel in der Apotheke, manchmal müssen die höheren Potenzen bestellt werden.

Was kann man homöopathisch – gerade bei Kindern – bei dir in der Praxis sonst noch machen?

Es können alle Beschwerden unterstützt werden homöopathisch. Was ich sehr oft habe in der Praxis sind Schreikinder, Geburtstraumen (auch für die Mamas!!) Schlafstörungen/ Einschlafschwierigkeiten, Zahnungsbeschwerden, Wachstumsschmerzen oder Entwicklungsauffälligkeiten. Warzen und andere Hauterkrankungen meist schon mit langer Leidensgeschichte, da oft viel probiert wird mit Salbengeschmiere vorher… Allergische Problematiken, leider oft erst wenn es schon in Richtung Asthma geht. Wichtig bei allergischen Erkrankungen ist, dass man früh den Körper ins Gleichgewicht bringt, bevor es in die Tiefe z.B. Lunge geht. Infektanfälligkeiten: häufig habe ich Kinder mit Bronchitis, Krupp, Mittelohrentzündung kurz vor OP. Aber auch langes Einnässen, Ängste, Schulprobleme, Mobbing oder andere psychische Problematiken.

Und für uns Mütter?  ( Stichwort Regelschmerzen – gibts da auch Globuli?) :-)

Aber sicher :-)
Auch wir Mütter dürfen uns naturheilkundlich unterstützen lassen! Ich muss nicht jeden Monat vor Regelschmerzen sterben. Zum Kranksein haben wir zwar nie Zeit aber das heißt nicht dass wir nur die Chemikeulen einwerfen müssen.
Nach der Schwangerschaft z.B. haben die meisten Frauen eine sehr starke und auch oft schmerzhafte Regelblutung. Auch diese kann sehr individuell verschieden sein. Die eine Mama hat die Schmerzen vor, die andere vor und während und wieder eine andere nur während der Blutung. Auch PMS-prämenstruelles Syndrom- zeigt sich sehr unterschiedlich:  Von “ich könnte den ganzen Tag heulen” , “nach einer Stunde laufen gehts mir besser”, “ Schokolade ist mein bester Freund”,  bis hin zu “Mann, geh mir aus dem Weg” oder “nimm mich ganz schnell in den Arm” ist alles möglich :-)
Sepia, Lachesis, Pulsatilla, Phosphorus, Natrium muriaticum…- um einige zu erwähnen die Hormonbezug haben. Welches das Mittel der Wahl sein wird, entscheide ich aber auch hier wieder nach der Anamnese. “Nur” Regelbeschwerden behandle ich nicht, sondern die gesamte Frau! Und dazu gehören auch Schlaf, Essensgewohnheiten, Ängste, Bedürfnisse dazu.  Das ist der große Unterschied zur Schulmedizin. Ich höre oft: “soviel habe ich ja noch nie über mich erzählen dürfen”.
Ich finde gerade im Alltag als Mama, in dem es nur ums Kind/Kinder, Job, Mann, Haushalt, Termine geht ist es ganz ganz wichtig ab und zu abtauchen in eine Welt in der es nur UM MICH geht!
 

Vielen Dank, liebe Marga, für das sehr interessante Gespräch! 

Margaretha Wellensiek ist Heilpraktikerin, Physiotherapeuthin und Personal Trainerin und hat eine Praxis in Nürnberg. HIER auf ihrer Homepage findet Ihr alle Kontaktdaten und viele weitere Infos von ihr.

 

 


Ein Gedanke zu „Globuli für Kinder: So wirken die Kügelchen auch wirklich!

  1. Tja, wenn die Kleinen kränkeln, ist das für uns Erwachsene fast schlimmer als wie für die Knirpse selber. Sehr gerne würde man Ihnen die altbekannten Leiden doch abnehmen. Liebe Grüße und weiter so. Für wertvolle Tipps bin ich immer dankbar.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *