Gute Tage, schlechte Tage…

Die wechselnden Stimmungen eines Kleinkindes.

An den guten Tagen wache ich auf und höre durch das Babyfon fröhliches Geplappere. Theo ist wach und zieht immer wieder die Spieluhr auf. Ich gehe rüber in sein Zimmer und werde freudig angestrahlt. Er streckt mir seine kleinen Ärmchen entgegen und ich hebe ihn samt Schlafsack aus seinem Bett und wir kuscheln erstmal ausgiebig. Er duftet so wunderbar nach Theo. Am Frühstückstisch isst er fröhlich und streckt mir immer wieder einen kleinen Bissen entgegen um mit mir sein Essen zu teilen. Lasse ich mich von ihm füttern, dann grinst er ganz zauberhaft. Es sind diese vielen kleinen Momente, die solche guten Tagen so wunderbar machen. Egal was wir machen: Wir machen es zusammen und es macht Spaß mit meinem Gute-Laune-Meister. Er zeigt mir all die Dinge, die ich schon gar nicht mehr sehe, die ihn aber faszinieren:

Bagger im Garten, Flugzeuge am Himmel, Schmetterlinge in der Luft, schöne Blumen in der Erde – er liebt die Details. Es macht mich glücklich zu sehen, wie unglaublich viel Freude mein Kleiner am Leben hat und wie selbstbewusst und unerschrocken er die Welt entdeckt. Immer mit dem sicheren Gefühl, dass seine Mama ganz in der Nähe ist und auf ihn aufpasst. Wenn er sich ein paar Minuten intensiv mit etwas beschäftigt, dann unterbricht er das oftmals um kurz „Mama zu tanken“ – um sich also eine kleine Kuscheleinheit abzuholen bei mir: So UNBEZAHLBAR!

Es gibt aber auch schlechte Tage und die kommen im Schnitt so 2-3 Mal pro Monat vor. An solchen Tagen wacht er morgens meist schon weinend auf und ist nur schwer zu beruhigen. Meist braucht er dann 5-10 Minuten, bis er einigermaßen „erträglich“ ist – selbst intensives Kuscheln hilft kaum. Ich schicke in Gedanken schnell ein Stoßgebet gen Himmel: „Lieber Gott, bitte lass diesen Tag schnell vorbei gehen.“

Nimmt man ihm dann noch sein – ähm – ich meine natürlich MEIN – geliebtes Glätteisen weg (das er mit Hingabe vom Badezimmer in sein Zimmer schleppt) – LAND UNTER. Will man ihn dann auch noch wickeln (um Himmels willen, das ist aber auch eine Quälerei bei der Schrems daheim!!! Wickeln!! Unmenschlich!), ist die Stimmung komplett am Boden. Meist lässt er sich an solchen Tagen auch nur schwer dazu überreden, was zu Frühstücken. Weil ich aber weiß, dass bei Theo die Laune durch Hunger meistens noch mieser wird, gebe ich seiner stummen, aber dennoch klaren Forderung meist irgendwann nach:

„ICH WILL FRISCHKÄSE (aber nur den einen ganz Bestimmten!!!) PUR!!! OHNE BROT. BITTE AM BESTEN MIT DEN FINGERN DIREKT AUS DER PACKUNG!!!“ Aaaaargh…

Und dann: Rumsauen! Frischkäse auf dem Tisch verteilen. Und ich denke mir wieder:“Wie lange dauert dieser Tag denn noch und wann kommt mein Mann endlich heim?“ Ach shit. Ist ja erst 8:30 am Vormittag. Aussichtslos.

Das Kind ist irgendwann ruhig, satt und von oben bis unten verschmiert. Und einigermaßen zufrieden. Zumindest kurz. Bis ich ihm die Frischkäsepackung wegnehme und ihn aus dem Hochstuhl hebe um mit ihm zum Waschbecken zu gehen: Händewaschen! Händewaschen???? „Was fällt der Mama da ein???“ Protest! Und zwar lautstark. Während ich den Boden rund um seinen Essplatz säubere, höre ich nichts von ihm. Hach, angenehm, denke ich. Zeit für einen leckeren Kaffee. Moment!! Irgendwas stimmt doch nicht. Wo ist Theo?

Ach nöööö! Er sitzt nebenan im Gästeklo und beschäftigt sich wunderbar selbst. Zwar macht er keinen Lärm, aber trotzdem Chaos: FEINSÄUBERLICH und HOCHKONZENTRIERT rollt er das Klopapier von der Halterung. Ich hebe ihn hoch – GESCHREI – und gehe in den Flur. „Theo, Schatz, wir gehen raus. Komm, ich zieh‘ dir die Schuhe an!“ Schuhe??? Anziehen?? Hysterie!!! Lauthals wird geschrien, sich gewunden und protestiert – ich bin schon halb durchgeschwitzt und das um 9 Uhr am Morgen.

Haustüre auf – frische Luft – raus mit uns. Wir nehmen das Bobbycar und laufen durch unser Neubaugebiet: Viele interessante Gärten mit unabgeschlossenen, niedrigen Gartentürchen. Und genau auf diese Türchen hat es Theo an solchen Tagen abgesehen. Während ich kurz mit der netten Nachbarin quatsche, läuft mein Sohn auf dem autofreien Weg voraus – kurz schaue ich nicht hin – schon ist er verschwunden. Ich sprinte also hinterher und sehe ihn – ach nööööö….. – mitten im leeren Garten eines (mir unbekannten) Nachbarn. Mist.  Ich bin überzeugt davon, dass irgendwann mal eine Alarmanlage auf der Terrasse eines Nachbarhauses losgehen wird – genau in dem Moment, in dem ich Theo da aus diesem fremden Garten weg holen will. Hilfe!!!

Ich will das nicht – ich will nicht in fremde Gärten. Wenn ich schließlich bei ihm bin und ihn raustrage gibt es – NATÜRLICH– Protest. Lautstark. Ich resigniere und wünsche mir nochmals, dass es Abend ist und mein Mann sich um das schlechtgelaunte Kind kümmert. Solche Tage sind härteste Arbeit. An solchen Tagen sage ich abends resigniert, dass ich wieder Vollzeit arbeiten will. Alles, nur nicht noch so ein Tag. Ich kann es Theo an solchen schlechten Tagen nicht recht machen – er hat einfach schlechte Laune (warum auch immer ). Und mein Nervenkostüm ist an solchen Tagen extrem dünn – und ich gebe zu: Ich würde ihn dann echt gerne kurz mal zum Mond schießen.

„Liebe mich dann, wenn ich es am wenigsten verdient habe. Denn dann brauche ich es am meisten.“

Natürlich hat es mein Kleiner IMMER verdient, geliebt zu werden. Aber einen wahren Kern hat dieses Zitat schon. Er ist ja nicht schlecht gelaunt, weil er mich ärgern will, sondern weil etwas in seiner kleinen Welt nicht in Ordnung ist, etwas das sein Gefühlsleben komplett durcheinanderbringt. Und deshalb rufe ich mir diesen Satz an solchen schlechten Tagen, wenn ich kurz davor bin, zu explodieren, schnell wieder ins Gedächtnis. Dann reiße ich mich zusammen, umarme ich ihn ganz fest, meinen kleinen Miesepeter, und gebe ihm einen extra-dicken Kuss auf die Krokodilsträne. Und dann bekomme ich sogar ein klitzekleines Lächeln von ihm…. Zumindest für 3 Sekunden:-)

Eure Jenny

PS: Kennt Ihr solche schlechten Tage auch? Wie geht Ihr denn damit um? Habt Ihr Tipps? Ich freue mich auf Eure Kommentare!


4 Gedanken zu „Gute Tage, schlechte Tage…

  1. Liebe Jenny! An solchen schrecklichen Tagen geht nur „Augen zu und durch!“ DU schaffst das!!! Alles Liebe Verena

  2. Ich habe festgestellt, dass sich meinem kleinen Zwerg (leider) meinen Launen anpasst. Habe ich selbst mal keinen guten Tag, stehe mit dem verkehrten Bein auf oder bin in Hektik oder Eile, dann stellt sich mit Sicherheit auch der Lütte quer… und zwar richtig… mein Tipp ( vor allem an mich selbst ) reflektieren wie man selbst gerade drauf ist, und schön cool bleiben.

  3. Die besten Tage hier bei uns sind, wenn ich von 6:00 bis 18:00 arbeiten bin 😉 Nee Scherz, natürlich gibt’s auch wunderschöne Tage zusammen mit dem welterobernden, dinge-entdeckenden fröhlich brabbelnden Kleinkind. Und ja, rausgehen wirkt auch hier meistens Wunder wenn sich die Kleinkind-Welt mal nicht so dreht wie sonst. Danke für den Spruch mit dee Liebe, das wird an solchen Tagen auch mein Mantra sein!

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