Neulich beim Griechen…

Essengehen. Das tun wir gerne und immer mal wieder – selbstverständlich mit Theo!

Die meisten Restaurants haben nichts gegen kleinste Gäste, meist gibt es Hochstühle und Kindergerichte. Unser Kleiner ist ein sehr offenes und temperamentvolles Kind, das unglaublich interessiert an Neuem ist. Essengehen mit Theo klappt also meistens wunderbar. Meistens….

Neulich waren wir mal wieder abends ( seitdem wir Eltern sind, bedeutet abends bei uns um kurz nach 18 Uhr happy-wink ) beim Griechen hier bei uns ums Eck. Anfangs war noch alles entspannt, Theo spielte mit den Bierfilzchen und lachte, wenn er ein von uns gebautes „Bierfilzchen-Haus“ zum Einstürzen brachte.

Das Essen ließ auf sich Warten – und obwohl ich dem Kleinen zuhause noch einen kleinen Appetithappen in den Mund geschoben hatte, wurde er unruhig.

Extremer Hunger konnte es nicht sein. Volle Windel? Nein! Keine Lust auf unseren Griechen? Wohl eher. Wenn er ein bisschen im Restaurant rumlaufen darf, beruhigt er sich eigentlich meistens recht schnell. Andere Menschen reagieren ja fast immer sehr freudig, wenn sie kleine Kinder sehen.

Diesmal passte aber einfach irgendwas nicht – er quengelte und hatte tatsächlich keinen Bock auf unseren Griechen. Guter Zuspruch hat nicht geholfen, er weinte plötzlich laut und untröstlich.

Ich gebe zu: Das sind die Situationen, die ich ganz und gar nicht mag, in denen ich gar nicht souverän bin, in denen ich gerne einfach schnell flüchten würde. In denen ich NICHT nach rechts und links an die Nachbartische schauen möchte. Schließlich wollen die doch alle einen entspannten Abend haben – und kein Kindergeschrei hören, argumentiere ich in ruhigen Momenten bei meinem Mann. Der ist immer die Ruhe selbst, lässt sich von Theos kleinem Aufstand beim Griechen mal so ganz und gar nicht beeindrucken – und bringt MICH mit dieser absoluten Tiefenentspanntheit fast noch mehr auf die Palme devil

Wie kann der nur so ruhig bleiben, wenn sein Sohn hier Theater macht???

Mein Mann antwortet dann immer, nach wie vor beneidenswert relaxt: „Es ist ein Kind. Kinder schreien halt mal. Na und?“

Na und?? Natürlich weiß ich (eigentlich), dass er absolut recht hat. Aber insgeheim denke ich mir, dass es ja meist doch auf die Mutter zurückfällt. Denken andere Gäste beim Anblick eines trotzigen Kindes nicht automatisch: „Na die hat aber ihren Sohn gar nicht im Griff“?

Die Mutter scheint immer die Hauptverantwortliche zu sein, nach wie vor, sogar wenn der Vater dabei ist. Denn schließlich ist man als Mutter die „Expertin fürs Kind“ – also kann es ja wohl nicht so schwer sein, einen Einjährigen beim Griechen zu bändigen. „Wieso geht die denn mit dem armen Kind überhaupt Essen?“

Denken denn unsere Mitmenschen wirklich so oder ist das nur mein eigenes Kopfkino?

Ein Frühlingsbesuch in unserer Eisdiele hat mich hierbei gestern zum Nachdenken gebracht. Denn diesmal war es ein anderes Kind, ein etwa 10 Monate altes Mädchen, das schlecht gelaunt war und trotzte. Mir ist das ehrlich gesagt nicht mal aufgefallen – erst mein Mann machte mich darauf aufmerksam: „Schau mal, dieses Mädchen schreit. Und? Stört es dich? Nein! Es ist dir nicht mal aufgefallen. Kuck dich doch mal um: Interessiert das hier irgendjemanden? Fühlt sich irgendwer gestört von Kindergeschrei?“

Ich beobachtete daraufhin die sehr gut gefüllte Eisdiele ganz genau und war erstaunt: Kaum jemand nahm Notiz vom Geschrei, keiner rollte mit den Augen. Nur die Mutter des Mädchens war gestresst und unentspannt. Wie ich neulich beim Griechen.

Ich schwor mir in diesem Moment, dass ich beim nächsten Mal wenn Theo öffentlich bocken sollte, einfach tief Luft holen würde und dann „OMMMMMMMM“…… cool

Und mein Mann soll mir in solchen Situationen einfach einen extra Ouzo beim Griechen bestellen. Oder einen Ramazzotti beim Italiener. Oder extra Sahne in der Eisdiele…..

 


3 Gedanken zu „Neulich beim Griechen…

  1. Hallo, musste beim Lesen eben sehr schmunzeln, denn geht mir genauso (seit März 14). 😉
    Allerdings bin ich anfangs mehr tiefenentspannt, mein Mann flippt wenn dann eher aus… Auch nicht so leicht! 😉
    Liebe Grüße und locker bleiben! 😉

  2. Hallo Jennifer,

    mich nerven laut weinende Kinder, noch schlimmer sind Schreihälse. Wobei ich sie tagsüber in der Eisdiele besser ertrage als abends im Restaurant. Liegt in der Regel am Kontext.

    Bei so kleinen Kindern schreibe ich das Drama allerdings nicht der Mutter zu im Sinne von „Erziehungsfehlern“ oder fehlendem im-Griff-haben. Es ist eher so, dass mir die Töne meist durch Mark und Bein gehen. Und das macht mich sehr unentspannt.

    Auch wenn es für dich nicht so schön ist, finde ich es gut, dass du dich in einer solchen Situation unwohl fühlst. Das beruhigt mich nämlich wieder. Noch schlimmer als krähende Kinder sind für mich Eltern, die von ihrer Umwelt erwarten, jeden Ausraster ihres Nachwuchses verständnisvoll wegzulächeln. Als wäre das meine Pflicht. Sind doch Kinder. Das macht mich wütend – nicht auf das Kind. Wenn es dir aber ein bisschen peinlich ist, kann ich verständnisvoll sein und sogar Mitleid mit der armen Mutter haben. Das ist für mich der gesellschaftliche Deal.

    Viele Grüße
    Susann

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