Rückblick auf unsere Stillzeit

Es ist ein Thema, das gerade in den Medien und im Internet vieldiskutiert ist: Das Stillen. Die einen lehnen es strikt ab oder können aus diversen Gründen nicht stillen, die anderen „zelebrieren“ es. In Berlin gab es vor ein paar Tagen einen wie ich finde traurigen Vorfall: Einer Mutter wurde das Stillen ihres Babys in einem Café untersagt. Es störe den Betrieb und die anderen Gäste. What?!?!

Die FAZ schrieb am Wochenende gar: „Muttermilch ist furchbar out“. Denn immer weniger Säuglinge werden demnach überhaupt oder länger als ein paar Monate gestillt. Dabei sei Muttermilch aber doch die „Wunderdroge schlechthin“, so die FAZ.

Ich habe gerne gestillt. Und Theo hat es geliebt. Stillen ist so viel mehr als einfach nur eine Nahrungsaufnahme – es ist etwas so Schönes und Inniges, das ich großartig finde. Nie hätte ich gedacht, dass ich mal so lange stillen würde. Das endgültige Abstillen ist mir dann auch überraschend schwer gefallen. Heute blicke ich also zurück auf dieses „Abschied nehmen von der Stillzeit“, das nun schon über ein Jahr her ist.

Anfangs tönte ich: „ Ich werde höchstens 4-5 Monate stillen. Danach will ich meinen Körper wieder für mich haben.“

Dass das Abstillen aber nicht allein meine Entscheidung sein würde, dass ich mit Theo einen, wie wir immer scherzten, „Brust-Junkie“ bekommen würde, das ahnte ich damals noch nicht. Aber so ist das ja oft mit Dingen, die man sich vor der Geburt so vorgenommen hatte. Als Theo 4 Monate alt war, war an Abstillen nicht zu denken. Er verweigerte nämlich jegliche Flaschen mit abgepumpter Muttermilch, und feste Nahrung bekam er noch nicht. Also wurde weiter gestillt und das fand ich auch wirklich schön und gut. Ich war jedoch nie der Typ Mama, der öffentlich die Brust rausholte. Das Höchste der Gefühle waren Stillräume in der Stadt. Theo und ich brauchten dabei einfach immer ein bisschen Ruhe und Zeit für uns.

Entspannter wurde tatsächlich alles, als der Kleine Brei bekam. Nach und nach wurden Stillmahlzeiten ersetzt –tagsüber wollte er dadurch nicht mehr an die Brust. Aber abends, nachts und morgens. Und zwar ziemlich lange.

Je größer, mobiler und selbstständiger Theo wurde, desto mehr genoss ich diese innige Stillnähe und ich empfand die „Stillpausen“ als sehr entspannend.

Als meine Ärztin jedoch irgendwann einen akuten Vitamin-D-Mangel bei mir feststellte (liebe Mamas, lasst das doch auch mal testen! Es ist irre, wie stark sich ein solcher Mangel auf das gesamte Wohlbefinden auswirkt. Ich habe gelesen, dass fast 80% der Deutschen einen solchen Mangel haben – und es nicht wissen. Seitdem ich Vitamin-D-Tabletten in hoher Dosis nehme, geht es mir soooo!!!viel!!!!!besser!!!!), wusste ich: Jetzt ist Schluss. Jetzt wird auch nicht mehr abends und morgens gestillt. Und ich wurde wehmütig. Es war doch so schön. So kuschelig. So gesund. So innig. So gut für ihn. Nie mehr würde mein Theo an meiner Brust zufrieden schmatzen.

Und dann ging es so erstaunlich leicht, das Abstillen. Keine Tricks, wie Tomatenmark auf die Brust schmieren oder Pflaster drauf kleben, wie es manche Freundinnen machten.

Er bekam einfach normale Milch aus seiner Trinkflasche und wir kuschelten. Und er fand es gleich lecker und schön.

Ich hatte also meinen Körper wieder für mich. Ich konnte also abends auch hin und wieder zwei Gläser Wein trinken. Ich konnte wieder essen was ich mag. Ich musste bei Tabletten nicht ewig den Beipackzettel lesen um zu wissen, ob sie erlaubt waren. Ich konnte nach langer Zeit einfach machen was ich will mit mir und meinem Körper, ohne dass ich an mögliche Konsequenzen für den Kleinen denken musste.

Es dauerte damals ein paar Tage, bis ich mich daran gewöhnte, dass ich nicht mehr stillte. Noch heute denke ich daran zurück auf die knapp 14 Monate Stillzeit. Noch heute bin ich sehr glücklich, dass die Natur etwas so Großartiges wie das Stillen möglich gemacht hat.

Und insgeheim hoffe ich natürlich, dass ich irgendwann wieder das große Glück haben werde, ein kleines Baby, UNSER kleines Baby, zu stillen 🙂 Aber das hat noch ein bisschen Zeit….

Eure Jenny

 


Ein Gedanke zu „Rückblick auf unsere Stillzeit

  1. Ich hätte auch nie gedacht, dass ich 24 Monate und anscheinend noch länger stillen werde. Aber Naturvölker stillen bis zum 6. Lebensjahr. ..In diesem Sinne:
    Back to the roots! Scheint ja in nichtindustrialisierten Gegenden völlig normal zu sein. Da gibt es wahrscheinlich auch keine dutzenden Babymilchprodukte die es zu verkaufen gilt 😉

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