Starke Blutungen in der Schwangerschaft: Ein Mutmacher!

Ich war auf den Tag genau 13 Wochen schwanger – ich erinnere mich an diesen 20.Oktober 2016 als wäre es gestern gewesen. Unsere Familien und auch einige engere Freunde wussten bereits, dass Theo im Mai großer Bruder werden würde.

Um 8 Uhr 30 waren mein Mann und ich bei meiner Frauenärztin zum Ultraschall – dem Baby ging es wunderbar, es zappelte und war sehr aktiv. Und wir so glücklich, da ich ein paar Monate vorher eine frühe Fehlgeburt mit Ausschabung hatte.  Danach ist man einfach nicht mehr so unbeschwert schwanger.

Mit einem erleichterten Gefühl fuhr ich in meinem Auto von der Praxis weg – unterwegs hielt ich noch beim Bäcker an um für das Playdate mit ein paar Mädels und deren Kindern am Nachmittag Kuchen zu besorgen. Alles war gut. Ich hörte laut Autoradio, bis ich es plötzlich während der Fahrt spürte: Feucht, warm und schwallartig fühlte es sich an. Ich wurde nervös und steuerte auf direktem Weg unser Zuhause an. Dort – ich sehe mich vor meinem inneren Auge noch so genau vor mir – rannte ich regelrecht auf die Toilette und sah es sofort: BLUT. Und zwar richtig viel Blut. Ich wusste: Braunes Blut ist harmlos. Bei mir war es jedoch rot, frisch und extrem viel. Ich zitterte, konnte keinen klaren Gedanken fassen und mir kamen urplötzlich die Tränen. Bittebittebitte nicht!!!!! Liebes Baby, du hast doch gerade auf dem Ultraschall noch so fröhlich gewunken?!?

Ich hatte furchtbare Angst. Wie ferngesteuert legte ich mir eine Binde ein, schnappte mir ein großes Handtuch für den Autositz und fuhr direkt wieder in die Frauenarztpraxis, aus der ich vor nicht einmal einer Stunde noch strahlend mit meinem Mann rauslief. Weinend und verzweifelt kam ich dort an, ich wurde sofort abgeschirmt und in einen ruhigen Raum gelegt. Nur wenige Minuten musste ich auf die Ärztin warten – ich weiß noch: Der gesamte Stuhl war voller Blut als ich wieder aufstand. In diesem Moment war ich mir plötzlich sicher, dass ich wieder eine Fehlgeburt haben würde. Bitte bitte bitte nicht dieses Baby – ich liebte es doch schon so sehr.

Meine Ärztin wollte gar nicht viel reden – sie machte sofort einen Ultraschall – ich fühlte mich verzweifelt und ich zitterte vor Anspannung und Angst. Alles an mir schlotterte: Knie, Arme, Beine. Ich war wie weggebeamt und konnte kaum einen klaren Gedanken fassen. Plötzlich sagte sie: „Ihrem Babylein gehts gut-  schauen Sie mal!“

Ich kann Euch kaum beschreiben, was in diesem Moment in mir vorging – ich war erleichtert, froh, ängstlich, panisch, glücklich…durcheinander. MEIN BABY LEBT!!!!!

Woher kamen dann diese extremen Blutungen, wollte ich wissen. Die erfahrene Ärztin war ratlos, eine Ursache konnte nicht erkannt werden. Sie riet mir Bettruhe und war optimistisch, dass die Blutungen bald aufhören würden.

Zuhause legte ich mich brav aufs Sofa, meine Mama umsorgte mich, da mein Mann berufliche Termine hatte. Im Laufe des Tages sah ich noch sehr viel Blut und nachmittags kamen wehenartige Schmerzen dazu. Ich war unsicher und verzweifelt und fuhr gegen 17 Uhr und einem sehr ungutem Bauchgefühl mit meinem Mann ins Krankenhaus. Ich war aufgrund der starken Wehenschmerzen sicher, dass es unser Baby nicht gepackt hat. Laufen konnte ich nicht mehr, mein Mann musste mich mit einem Krankenhausrollstuhl fahren – es war einfach furchtbar. Ich weiß noch so genau, wie ein glückliches Elternpaar ihr Baby in diesem Krankenhaus-Neugeborenen-Gläswägelchen an uns vorbei schob und ich zu meinem Mann unter Tränen sagte: „Mensch, wir wollten doch im Mai unser Babylein auch in solch einem Wägelchen sehen. Und jetzt verlieren wir es.“

Er war wie ein Anker, blieb ruhig, beruhigte mich und sagte: ABWARTEN, dem Baby ging es vor ein paar Stunden doch noch gut. Als wir ins Arztzimmer gerufen wurden weinte ich wieder stark. Ich erinnere mich dennoch an eine nette, blonde Assistenzärztin – irgendwie merkte ich mir komischerweise ihren Vornamen: Michelle.

Sie machte also einen Ultraschall, mein Mann hielt währenddessen meine Hand ganz fest um mir Halt zu geben. Es fühlte sich endlos an bis sie den Bildschirm zu uns drehte: „Schauen Sie, hier ist ihr Baby. Hier schlägt das Herz.“ Mir fiel zum wiederholten Male ein riesiger Stein vom Herzen – es war ein absolutes Auf und Ab meiner Gefühle. Auch diese Ärztin namens Michelle konnte keine Blutungsursache feststellen. „Sie sind in der 13.Schwangerschaftswoche, dem Baby gehts gut, seien Sie positiv und vertrauen Sie auf das Leben.“ Dieser Satz brannte sich in mein Gedächtnis ein, er sollte in der weiteren Schwangerschaft zu meinem Mantra werden. Ich bat darum, mich ZUHAUSE schonen zu dürfen, auf keinen Fall wollte ich im Krankenhaus bleiben.

Die nächsten Wochen waren hart: Die Blutungen wollten nicht so richtig aufhören. Zwar waren sie nicht frisch, sondern braun und mittlerweile Schmierblutungen, dennoch sorgte ich mich weiterhin. Ich wurde engmaschig kontrolliert, als Ursachen waren ein großes Hämatom in der Gebärmutter oder Plazentarandblutungen aufgrund der Ausschabung ein paar Monate zuvor im Verdacht. Ein Vertretungsarzt sagte irgendwann ziemlich unsensibel zu mir: „Ob dieses Baby auf die Welt kommt, das steht in den Sternen. Ich kann nicht in eine Glaskugel kucken.“ Für mich war dieser Satz der blanke Horror, er schürte meine Ängste.

Ich musste viel Liegen – im Prinzip lag ich den gesamten November. Es war grau, düster und ich hatte das Gefühl, dass ich von der Welt da draussen nichts mehr mitbekam. Zu meiner Beruhigung kaufte ich mir für ca. 40 Euro ein kleines Gerät namens Angelsounds mit dem ich den Herzschlag meines Babies alle 1 – 2 Tage checken konnte. Das tat mir so gut, es gab mir in dieser Zeit, in der man ja noch keine Bewegungen des Babies spüren kann, ein sicheres Gefühl. Hier auf dem Blog konnte ich damals noch nicht über diese Phase schreiben, es war alles zu aufgewühlt und angespannt in mir – ich riss immer nur an, dass es mir nicht gut ging. Sieben lange Wochen begleiteten mich diese Blutungen. Danach hatte ich eine relativ beschwerdefreie Schwangerschaft, aber all das saß einfach tief. Die Angst, die Sorge, die Wochen voller Bangen.

Vor drei Monaten – im Mai – kehrte ich schließlich in das Krankenhaus zurück. Ich war fünf Tage über dem errechneten Geburtstermin, hatte eine Schwangerschaftsvergiftung entwickelt und aufgrund der Vorgeschichte bei Theos Geburt sollte ein Kaiserschnitt gemacht werden.

Ich war aufgeregt. Als ich in den OP hinein lief, sah ich plötzlich die nette, blonde Ärztin von der Notambulanz damals im Oktober. Michelle. Ich erkannte sie sofort wieder – auch ohne auf ihr Namensschild schielen zu müssen. Zusammen mit einem anderen Arzt holte sie unseren Julius auf die Welt. Am 8.Mai 2017 um 9 Uhr 55 hielt ich weinend vor Freude, Erleichterung und Dankbarkeit unser gesundes Baby in meinen Armen. Ich hatte  Gänsehaut vor Glück über unseren zweiten Sohn, der sich von diesen starken Blutungen nicht hat unterkriegen lassen.

 

 


5 Gedanken zu „Starke Blutungen in der Schwangerschaft: Ein Mutmacher!

  1. Sehr schön geschrieben! Danke für deine Offenheit Jenny! Das wird bestimmt vielen Frauen Mut machen!
    Alles Liebe für dich und deine Familie!

  2. Oh ich kann dir das alles so gut nachempfinden. Ich hatte hier bei K2 fast die gleichen Umstände: Zuvor 2 FG, eine mit AS, dann in der 12ten Woche, wenige Tage nach dem ersten US heftige schwallartige Blutungen, ein Albtraum.
    Auch hier waren die Ursache zwei Hämatome, eines davon direkt vor dem inneren Muttermund.
    Ich lag bis zur 26ten Woche und war so froh und dankbar, dass ich eine Haushaltshilfe bekam, die sich um das ältere Kind gekümmert hat.
    Danke für’s Teilen!

  3. Liebe Jenny,
    vielen dank für so viel Ehrlichkeit und den berührenden Artikel. Und wie schön, dass ihr alles so gut geschafft habt und nun eine Familie mit 2 kleinen Wirbelwinden im Haus seid…
    Glaub an das Leben…. ein wirklich guter Satz 😘

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