Wunschkaiserschnitt – Ja oder Nein?

Jede dritte Geburt ist ein Kaiserschnitt. Immer öfter auf ausdrücklichen Wunsch der Mutter – so wie kürzlich bei Daniela Katzenberger. „Wunschkaiserschnitt“ – also quasi ein Kaiserschnitt ohne medizinische Notwendigkeit. Vielleicht um den Wehenschmerz zu umgehen. Vielleicht um alles besser planen zu können. Vielleicht um keinen Dammriss zu bekommen.

Für mich stand ein Kaiserschnitt ehrlich gesagt NIE zur Debatte. Zwar lag Theo lange (bis zur 34.Woche) „falsch rum“ – also mit dem Kopf nach oben -, dennoch dachte ich mir immer: Das wird schon alles werden.  Und tatsächlich: Er drehte sich noch.

Tja – es kommt aber oft eben doch anders als man denkt. Nach 17 Stunden Wehen war das Köpfchen noch immer nicht im Becken, die Herztöne wurden schlechter und es wurde ein Notkaiserschnitt gemacht. Ich weiß noch so genau, wie ich vor Panik zitterte, wie ich Arme und Beine nicht mehr kontrollieren konnte vor Angst um mein Baby. SO wünscht man sich das eigentlich nicht: Erst den Wehenschmerz und Stunden voller Schmerzen, dann die große Bauchoperation.

Ich hatte schon vorher eine PDA, sodass diese „nur“ aufgespritzt werden musste. Ein mulmiges Gefühl, das sage ich Euch ganz ehrlich. Mit einem „Sprühtest“ wird geschaut, ob wirklich vom Bauch abwärts kein Gefühl mehr da ist. Irgendwie hatte ich insgeheim echt Angst, dass die Narkose nicht richtig wirkt und ich spüren würde, wie man mir den Bauch aufschneidete.

Die OP an sich war zwar aufregend, aber nicht schlimm. Mein Mann war neben mir, es ruckelte ein bisschen und es ging alles unglaublich schnell. Nach wenigen Minuten hörte ich meinen Theo schreien und er wurde mir kurz gezeigt. KURZ. Denn bei einem Kaiserschnitt ist es nicht so wie bei einer Spontangeburt, dass danach erstmal gemütlich gekuschelt wird. Während mein Bauch zugeflickt wurde, lag ich allein da. Mann und Theo waren im Nebenraum, dort untersuchten Kinderärzte meinen Kleinen. Mir war das in dem Moment tatsächlich egal – ich war voller Glückshormone und einfach so erleichtert und froh, dass mein Sohn da ist und alles gut gegangen war.

Ein paar Minuten später wurde mir Theo wieder gegeben und wir konnten ein bisschen kuscheln. Allerdings hatte es das Krankenhaus-Team eilig mich in den Aufwachraum zu schieben. Aufwachraum?? Ja. Denn es war eine OP. Und bis die Narkose nicht mehr wirkt, muss man in solch einen Aufwachraum. Mir kam das vor wie eine Ewigkeit. Ich war sooo ungeduldig und wollte doch zu meinem Baby. Erst nach einer guten Stunde wurde ich auf die Station zu Mann und Theo geschoben. Fix und fertig. Am Ende meiner Kräfte. Mit Schmerzen trotz Schmerzmitteln. Die ganze Nacht über. Nicht schön!

UND: Ich konnte mein Baby nicht selbstversorgen in dieser ersten Nacht, denn ich konnte mich nach wie vor nicht bewegen – nicht einmal aufsetzen. Es war schrecklich frustrierend für mich – denn ich wollte SO GERNE!!! Mein Mann verbrachte glücklicherweise die Nacht mit im Krankenhaus – das war erleichternd für mich. An Schlafen war dennoch nicht wirklich zu Denken. Nicht, weil das Baby schrie. Nein, das schlief tief und fest. Sondern weil man gefühlt einmal pro Stunde gestört wurde damit mein Blutdruck gemessen wurde usw. „Sie hatten schließlich eine schwere Bauch-OP“, wurde mir immer wieder gesagt.

Am nächsten Vormittag, es war kurz nach halb 11, kam eine resolute Schwester und sagte, dass ich jetzt doch mal aufstehen soll. Vorher wurde der Blasenkatheder gezogen. Brrrr…

Und dann? Aufstehen. Ja easy, dachte ich. Von wegen EASY. Ich glaube, ich hatte selten solch einen Schmerz wie beim ersten Aufstehen nach dem Kaiserschnitt. Es brannte, es schmerzte. Es zog mich regelrecht nach unten. Ich konnte meinen Oberkörper kaum hochziehen. Es war fürchterlich. Ich dachte wirklich, dass ich nie wieder richtig laufen könnte.

Nach wenigen Tagen waren die Schmerzen zwar weg, die Narbe heilte gut und die Erinnerungen verblassten. Es gab keinerlei Bindungsprobleme zwischen Theo und mir (sowas liest man ja doch hin und wieder). Stillen klappte auch wunderbar. Diese „Gerüchte“ kann ich also nicht unterschreiben.

Sollte dennoch jemand solch eine ANGST vor der Spontangeburt haben, dass er lieber einen Wunschkaiserschnitt möchte, dem will ich an’s Herz legen: Wenn ein Kaiserschnitt medizinisch notwendig ist, dann ist er eine sehr gute Möglichkeit, Mutter und Kind zu retten. Aber überlegt es Euch gut – haltet Euch auch die Nachteile vor Augen – es ist aber natürlich eine individuelle Entscheidung. Ich würde aber wirklich viel dafür geben, wenn es bei mir anders gelaufen wäre…Denn die allerersten Momente von Theo habe ich dadurch leider verpasst.

Allen werdenden Mamas wünsche ich eine wunderschöne Geburt!!! Und falls es doch ein Notkaiserschnitt wird: Ich habe es auch überlebt 😉


4 Gedanken zu „Wunschkaiserschnitt – Ja oder Nein?

  1. Also ich hatte leider auch einen medizinisch notwendigen geplanten Kaiserschnitt, wegen Beckenendlage und Schwangerschaftsdiabetes. Und ich wollte nie einen Kaiserschnitt, aber ich hatte keine andere Wahl! Für mich war es schrecklich! Ich möchte meine Geschichte garnicht so ausbreiten, aber ich kann auch nur jedem raten, es ist eine OP, ein großer Bauchschnitt! Das muss man sich gut überlegen. Und bei mir war es auch so, dass ich einen Blasensprung hatte wie bei einer normalen Geburt, Wehen wie bei einer normalen Geburt, aber dafür auch noch jede Menge Dinge, die ich mir gerne erspart hätte! Wehenhemmer, stundenlanges Warten auf die OP, Angst vor der OP ansich, auch nur einen kurzen Moment mit meinem Kind nach der Geburt, starke Schmerzen nach der Narkose und ich konnte mich die erste Nacht nicht selbst um mein Kind kümmern, Schwierigkeiten beim Stillen wegen dem Wehebhemmer, wochenlange Probleme mit der Narbe. Also ich kann nur sagen, wenn es nicht sein muss würde ich mir keinen Kaiserschnitt mehr machen lassen!

  2. Ich kann das auch bestätigen. Beim ersten Kind hatte ich einen geplanten Kaiserschnitt wegen Beckenendlage, war auch wahnsinnig nervös, schon am Abend vorher musste ich ins KH und war da schon fix und fertig aus Angst vor der Op. Mein Mann durfte leider bei der Op nicht dabei sein, obwohl es eine Rückenmarksnarkose war, er durfte auch nicht die Nabelschnur durchtrennen :-( und das Kuscheln Haut auf Haut wurde mit dem Papa leider auch nicht gemacht. (Manche Kliniken machen das und ich finde es sehr wichtig) Die Schmerzen die man nach einem Kaiserschnitt hat wurden hier schon angesprochen.
    Bindunsprobleme gab es hier auch nicht und auch das Stillen klappte super.

    Meine anderen drei Kinder kamen alle spontan zur Welt, auch wenn das kein Spaziergang war, vor allem bei meinem zweiten, der ja, da ich beim ersten Kind keinerlei Wehen hatte, wie meine erste Geburt anzusehen war. Meine damalige Ärztin wollte sogar lieber einen KS machen, weil die Geburt auch recht lange dauerte und ich sehr Wehenschwach war, aber nach Rücksprache mit meiner tollen Hebamme habe ich mich durchgekämpft und bin so dankbar. Trotz der Strapazen würde ich immer wieder eine spontan Geburt einem Kaiserschnitt vorziehen, außer es liegt eine medizinische Notwendigkeit vor.

  3. Ich möchte beim nächsten einen Kaiserschnitt. Mein Sohn kam spontan auf die Welt und es war einfach der blanke Horror. Keinerlei Schmerzmittel, nix. Von den schlimmen Schmerzen die danach noch kamen kaum zu reden. Ich für meinen teil möchte nie wieder ein Kind spontan zur Welt bringen. Aber ich finde es toll wenns Frauen gibt die damit keine Probleme haben.

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